Ordensleben ist ein „Qualitätsplus“!

Diesem provokanten Satz fügte P. Edward Fröhling SAC in seiner Predigt noch an: „wenn das nicht so wäre – Du würdest es nicht tun, da bin ich mir sicher!“
Gemeint ist Sr. Franziska Dieterle, sie legte bei den Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen ihre Ewigen Gelübde ab. Ihr Weg, der zu diesem Entschluss geführt hat, ist bunt und weit. Dementsprechend war auch die Feier mit der Schwesterngemeinschaft, den Familienangehörigen, Freunden und Mitstudent/innen tief ergreifend, anrührend und voller Leben.

Ulrike Dieterle, so ihr bürgerlicher Name, stammt aus Hardt im Schwarzwald. Sie war schon in jungen Jahren als Ministrantin tätig, später war sie Gruppenleiterin einer Jungkolping-Mädchengruppe und bis heute ist sie begeistere Guggenmusikerin. Sie wurde Erzieherin und leistete nach ihrer Ausbildung einen freiwilligen Sozialdienst in Lateinamerika. Nach ihrer Rückkehr stieg sie in ihren Beruf ein und suchte nach dem „mehr an Leben“. Der Prediger, ein guter Freund von Sr. Franziska, ist überzeugt, wo dieses „mehr an Leben“ zu entdecken ist: über „Franziskus, der bis heute Menschen ansteckt mit diesem Feuer und sie lockt auf die Spur dessen, der unser Leben ist: Jesus!“
Im Jahr 2001 trat „Uli“ in die Kongregation der St. Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen ein, begann die Ordensausbildung und legte im Jahr 2004 ihr erstes zeitliches Gelübde ab. Heute steht sie am Ende ihres Studiums Soziale Arbeit und wird in wenigen Wochen mit dem Diplom abschließen.
Mit der Ablegung der Ewigen Profess ist Sr. Franziska Mitglied einer franziskanischen Ordensgemeinschaft, die ihren Auftrag aus ihrem Gründungscharisma stets neu ableitet: „Not sehen, warm werden um der Menschen willen, ist ein Tun von göttlicher Natur“. Dies ist immer neu zu buchstabieren und führt zu den wirklich bedürftigen Menschen, zuletzt in Form von Neugründungen in Indien und Kroatien.
Die rückläufige Zahl der Ordensmitglieder ist für Sr. Franziska kein Problem. Vielmehr sieht sie ganz große Chancen in der ordensübergreifenden Zusammenarbeit.

P. Edward, der Pallottinerpater weiß es ebenso wie franziskanische Ordensleute: „es gibt Dinge, die bei uns keine Rolle spielen: Das Sich-Beweisen-Müssen, die Gier nach Besitz, eine herausgehobene Stellung in der Kirche, religiöse Verzückungen, egozentrische Selbst-Darstellung, selbstverliebten Genuss irgendeines angeblich ach so besonderen Lebens. Wir wollen das alles nicht!“

Sr. Franziska hat in die Hände der Generaloberin Sr. Christine Köberlein versprochen, dass sie auf ewig arm, gehorsam und ehelos um des Himmelsreiches willen leben will. Dieses Versprechen hat sie durch die Anwesenheit ihrer Professpatin Martina Klausmann und mit ihrer Unterschrift am Altar bekräftigt. Die ganze Gemeinde – unter ihnen auch viele aus Bad Staffelstein - hatte zuvor den ganzen Himmel bestürmt – die Fürbitte aller Heiligen erbeten. Weihbischof Werner Radspieler stand dem Gottesdienst vor und Pfarrer Hellgeth konzelebrierte mit. Sr. Franziska erhielt dann aus der Hand der Generaloberin den Ring, auf dem das franziskanische Wappen abgebildet ist: zwei verschränkte Arme – der entblößte Arm Christi mit der Handwunde und der bekleidete Arm des heiligen Franziskus, ebenfalls mit der Handwunde. Zwischen beiden Armen erhebt sich das Kreuz. Die jesuanische und die franziskanische Lebensform sind wesentlich miteinander verschränkt und fordern die Trägerinnen jeden Tag aufs Neue heraus, ihr Leben am Evangelium Christi zu orientieren.
„Im Alltag entkommen wir dem Kreuz nicht“, so P. Edward Fröhling: „einem lebendigen Herzen tut es weh, die Welt zu sehen, wie sie ist: voller Elend und Trauer. Ein lebendiges Herz hält es nicht aus, wegzuschauen, ein lebendiges Herz wendet sich den Armen zu, um ihr Leben zu teilen und sie aufzurichten“.
Und er fährt fort: „um dieses Kreuzes willen brauchen wir uns nicht verstecken“ und er zitiert Paulus: wenn es etwas gibt, dessen ich mich rühme, dann ist es der Gekreuzigte.
Das Qualitätsplus im Kreuz? Ja, weil „wir das Kreuz aus der Perspektive des wahren Lebens sehen gelernt haben und darin das Gesicht Jesu wieder erkennen“.

Sr. Regina Pröls

v. l. n. r.: Hausoberin Sr. Sebastiana, Junioratsleiterin Sr. Judith Dinkel, Prediger P. Edward Fröhlig SAC, Professpatin Martina, Sr. Franziska, Weihbischof Werner Radspieler, Ortspfarrer Gerhard Hellgeth, Generaloberin Sr. Christine Köberlein

 

Nach dem Gottesdienst trafen sich die Gäste zur Gratulation im Speisesaal des Diözesanhauses. Mittagessen und einige Spiele rundeten das Fest ab.

Am späten Nachmittag gab es noch eine große Überraschung für alle: die Feuerwehrkapelle aus Wadersloh-Liesborn, die zufällig an diesem Tag eine Führung in der Basilika hatte, spielte ein Ständchen für Sr. Franziska, die verhinderte, aber nichtsdestoweniger leidenschaftliche Tenorhorn-Spielerin. Einmal durften also auch die Mitschwestern, Familie und Freunde erleben, dass Sr. Franziska sprachlos ist.
Ein herzlicher Gruß an die Feuerwehrkapelle aus Wadersloh-Liesborn - Danke für Eure Spontanität!

 

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