weltwärts-Freiwilligendienst bei den Franziskusschwestern

Jedes Jahr entsenden die Franziskusschwestern in Zusammenarbeit mit dem BDKJ Bamberg mehrere junge Leute nach Peru und Indien, um dort ein Jahr lang einen Freiwilligendienst zu leisten. Früher nannte man das „Missionarin auf Zeit“, seit das ganze aber in das Förderprogramm „weltwärts“ aufgenommen wurde, ist es eben ein weltwärts-Freiwilligendienst.
Ich selbst hatte auch das Glück, eine Einsatzstelle in Kotagiri, in Indien zu ergattern. Hier arbeite ich im Altenheim der Schwestern mit und bin als „Mädchen für alles“ für allerlei Dinge zuständig.
Eine zeitlang im Ausland zu leben war schon immer mein Traum und als ich über Bekannte von dem Programm „weltwärts“ hörte, wusste ich, dass ich so einen Freiwiligendienst machen möchte, weil ich so meine Zeit im Ausland sinnvoll und für die Menschen vor Ort nutzen kann. Also begann ich mich nach passenden Projekten und Entsendeorganisationen umzusehen und fand schließlich den BDKJ Bamberg und die Stelle im Altenheim. Da ich nach meinem Freiwilligendienst Medizin studieren werde, war ich besonders an einer Tätigkeit in einem Krankenhaus oder einem Altenheim interessiert, viele Freiwillige arbeiten aber auch mit Kindern.
Nach einer erfolgreichen Bewerbung lernte ich schon bald meine „Mitfreiwillige“ kennen. In Indien sind wir nämlich zu zweit, eine weitere Freiwillige arbeitet im Kindergarten, der auch von den Schwestern betrieben wird. Dann begannen auch schon die Vorbereitungen. Reisepass, Visum, Versicherungen, Kreditkarte, Impfungen, nebenbei noch Abitur schreiben, 12 Tage Vorbereitungsseminar und schließlich Koffer packen und sich von Familie und Freunden verabschieden...ganz schön viel zu tun!
Dass sich die Mühe gelohnt hat merkten wir, als wir Anfang September am Flughafen in Coimbatore ganz herzlich willkommen geheißen wurden. Als ich hier ankam wusste ich noch relativ wenig über das Leben in einem Konvent und ich denke so geht es vielen jungen Leuten. Wahrscheinlich gibt es über Nonnen auch viele Vorurteile. Wer sich unter einer Schwester eine sehr konservative oder verklemmte Frau, die den ganzen Tag nur betet vorstellt, liegt aber definitiv falsch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schwestern ganz normale Menschen sind – mit denen man über alles reden kann, mit denen es Spaß macht zusammen zu leben und zu arbeiten und mit denen es immer wieder viel zu lachen gibt. Das Leben hier in der Gemeinschaft gefällt mir gut, es ist wie eine große Familie, in die ich auch sehr gut aufgenommen wurde. Und wann immer ich bei etwas Hilfe brauche, kann ich ganz einfach fragen. Umgekehrt helfe ich dann auch wo ich kann. Natürlich beten die Schwestern auch viel – immerhin haben sie ihr Leben in den Dienst Gottes gestellt – mir steht es als Freiwillige aber frei, ob ich daran teilnehme. Und man merkt, dass die Schwestern ihre Arbeit an den Menschen als Auftrag Gottes sehen und so mit Liebe an die Arbeit gehen.
Für mich war es jedenfalls die richtige Entscheidung, meinen Freiwilligendienst bei den Schwestern zu verbringen. Ich konnte so eine andere Lebensform kennen lernen, über die ich vorher kaum etwas wusste und einige Vorurteile über Bord werfen. Natürlich läuft nicht immer alles gut, es gab auch schon Krisen, zum Beispiel Heimweh. Doch die Arbeit im Altenheim und im Konvent macht mir viel Spaß, und darüber abzubrechen, habe ich noch nie nachgedacht. In meiner Zeit hier durfte ich die indische Kultur kennen lernen und viele Menschen treffen, die zu Freunden geworden sind. All das sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Lucia Eisentraut
eingestellt 2013-05-29 srk
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