Wenn Musik Glauben zum Genuss werden lässt
Genuss stand ganz oben auf der musikalischen Speisekarte des Ensembles „Entzücklika“. Am Samstagabend bot die schwäbische Formation mehr als 120 Zuhörern in der Kapelle des Mutterhauses der Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen mit ihren „Nacht-Wandler-Abendgesängen“ ein unvergessliches spirituelles Erlebnis, „musikalische Seelenmassagen“ und ein facetten- und nuancenreiches Christusbekenntnis inklusive bejahender Glaubenszusage.
Der Altarraum war in sanftes blaues Licht, in schwachen Kerzenschein gehüllt, als die vier Musiker in den Raum traten. Bereits am Vor- und Nachmittag hatte Liedermacher Alexander Bayer auf Initiative der Institution „Neues geistliches Lied“ der Erzdiözese Bamberg einen Liederworkshop veranstaltet und bereits da die Teilnehmer begeistert.
„Wie habe ich mich gefreut, als man zu mir sagte, wir ziehen zu Gott“, sangen die vier a capella. Und sofort sprang der Funke aufs Publikum über. Völlig unverständlich für die sonst als reserviert verschrienen Franken, tanzten, sangen und klatschen sie feurig und leidenschaftlich mitgerissen mit.
Vielleicht ist es die Schlichtheit, die auf den ersten Blick die Lieder des Ensembles ausstattet: eine einfühlsame Pianountermalung von Alexander Bayer, melodiöse Flöten von Katja Imsel, die ruhig-beruhigende Oboe oder das Englisch-Horn Bernhard Lämmles und Maria Sailers ausdrucksstarker Gesang, diese Mal unterstützt von Michael Schmidt am Schlagzeug. Einprägsame, bodenständige Texte, Melodien und Rhythmen, mal flott-beschwingt mit Pop-Anklängen, mal sinnlich-ergreifend, mal mystisch-schillernd.
Blickt man tiefer in Texte und Melodien, lässt man sich von der Musik ansprechen, so wird man geschwind angesteckt. In ihren klangmalerisch-modern aufbereiteten Bibeltexten und Gebeten entfaltet sich ein überzeugtes, ja engagiert-engagierendes Christusbekenntnis, eine farbenreiche Glaubenszusage.
Die Themen sind aus dem Leben gegriffen, von tiefem Gottvertrauen durchwirkt, Halt und Geborgenheit im Glauben findend: „Ich lobe meinen Gott am toten Punkt“, sangen sie und betonten: „Gottes Werke, das sind die Lebendigen, und sie greifen zu.“ Es ist ein Stück Lebensbewältigung mit Christus als „Arzt der Seele“, wie es eine andere Liedpassage ausdrückt. „Aus Deinen Händen schöpfe ich mein Leben, mein Geschehen.“
„Entzücklika“ kündete, dankbar zu sein für die einfachen Dinge des Lebens, Danke zu sagen für das Leben an sich: „Genieße, wie Gott dich geschaffen hat. […] Du Abbild, wie bist du doch schön.“ „Entzücklika“ sprach an: „Ein Gebet wächst wie ein Baum zum Himmel.“ Es glich fast einer Ermutigung, die aussagte: „Betet, Freunde! Gott hört es!“ „Entzücklika“ präsentierte ein Spiegelbild: Glauben im Alltag ist nicht immer einfach. Und „Entzücklika“ regte manchmal auch kritisch-provozierend an, eigene Standpunkte und Verhalten zu überdenken.
Nicht nur ein Konzert, sei es, hatte Schwester Katharina Horn bei ihrer Begrüßung verraten. Vielmehr sei es eine „Gebets-Zeit“. Überleitend moderiert von Alexander Bayer war es genau das. Mit einem Lächeln, dem ganz eigenen Charme und einer sichtbaren inneren Überzeugung trug „Entzücklika“ ihre Kompositionen vor. „Entzücklika“ zeigte nicht nur, dass Glauben einfach ist. Sie zeigten, dass Glauben zum Leben gehört. Und, dass Glauben Genuss sein kann.


