Wie kostbar Wasser wirklich ist
Ein Erfahrungsbericht von Sr. Theresa aus Indien
Wirklich, ich wusste nicht wie reich ich bin!
Fast entschuldigend hab ich schon oft diesen Satz hier gebraucht.
Ich komme aus Deutschland und lebe nun seit 2004 hier in Indien. An einem Beispiel möchte ich es aufzeigen.
Wann immer ich in Deutschland den Wasserhahn aufdrehte, es kam Wasser: warmes oder kaltes - ganz nach Wunsch. Waschen, Baden, Duschen, Zähneputzen, … ich konnte alles tun nach Lust und Laune ohne darüber nachzudenken. Trinken - das war auch kein Problem, denn frisches, sauberes Wasser fand sich überall. Ich genoss die Schönheit des Wassers in den Bergen mit den frischen Quellen, den sprudelnden Bächen, Flüssen, Seen und am Meer. Ich lebte so gesehen in „Saus und Braus“ und ich wusste es nicht! Erst als ich nach Indien kam fing es an, dass mir nach und nach bewusst wurde, wie kostbar Wasser wirklich ist.
Eine Realität
Morgens gibt der Wasserhahn nur einige Tropfen Wasser her, weil es wieder mal keinen Strom gibt. Somit kann das Wasser nicht aus dem Brunnen gepumpt werden. Das Hoffen, dass der Strom bald kommt, dauert manchmal ein, zwei oder bis zu drei Tagen. Dabei geht es uns noch gut, denn wir haben einen Brunnen. Meistens können wir uns mit diesem Wasser auch ein wenig vorsorgen. Diesen Luxus haben nur wenige Menschen. Sie baden, waschen, spülen im Fluss, wenn es einen gibt. Ich wundere mich oft, dass die Menschen nicht krank sind. Ich traue mir nur abgekochtes Wasser zu trinken.
Gesprächsthema „Wasser“
Wohin ich auch gehe, immer gibt es Gespräche zum Thema Wasser. Regen ist hier immer Segen. Niemand beschwert sich, wenn es an einem Festtag regnet – nein: es bedeutet Segen. Natürlich gibt es in vielen Teilen Indiens auch Zeiten, wo der Monsunregen alles überschwemmt und die Menschen an diesen Folgen leiden! – beide Extreme verursachen Leid-erfahrungen! Auf vielen Bussen, Lastwagen und Werbepla-katen ist zu lesen: Save water! I love Water and you? Water is precious!...
Vor wenigen Wochen habe ich meinen Standort gewechselt: ich zog von den Nilgirisbergen in die Ebene und das Thema „Wasser“ beschäftigt mich noch intensiver. Der Regen ist ganz selten und wird ständig herbeigesehnt, denn davon hängt die Ernte ab! Meistens sind die kleinen Flussbette ganz ausge-trocknet. Es gibt Wasserstellen, wo man zu bestimmten Zeiten Trinkwasser holen kann - das wird von der Regierung aufbereitet. Die Brunnen sinken mit ihrem Wasserstand immer tiefer. Es kann Wasser aus einem Staudamm gekauft werden, das ist sehr teuer und jeder, der Wasser hat, hütet es wie einen Schatz. Es gibt ständig Diskussionen und Streitereien wegen des Wassers. Wenn wir an diesem neuen Standort eine kleine Missionsstation aufbauen wollen, müssen wir uns von Anfang an um Wasser zum Überleben kümmern – für uns und für alle, für die wir Verantwortung übernehmen. Das ist eine schwere und sorgenvolle Arbeit.
Konsequenzen für mich
Lange schon verschwende ich kein Wasser mehr. Für jeden Tropfen Wasser habe ich mehr Bewusstheit. Ich bin dankbar für das „Lebensmittel Wasser“, wenn ich es habe. Und ich spare, wo es nur geht, denn es gibt viele Menschen, die sich danach sehnen und Wasser dringend brauchen.
Ich bin fest davon überzeugt:
Wasser wird kostbarer, als Gold!
Schw. M. Theresa Gunselmann



