Ein kurzer Indienaufenthalt

ein Bericht von Sr. Regina

Gleich nach dem Fest „Dreikönig“ brach ich für knapp drei Wochen auf, um in Indien bei den Mitschwestern zu sein. Anlass dafür war, dass Sr. Theresa derzeit aufgrund einer Visumserneuerung in Deutschland weilt. Vor Ort aber sind Baustellen zu betreuen und die jungen indischen Schwestern sind für jedes fürsorgliche Zeichen dankbar.

 

ein Stahlelement wird vor Ort „gebastelt“

So konnte ich mich davon überzeugen, dass die neue Stützmauer in Kotagiri bestens ausgeführt wird. Im November hatten starke Regenfälle dazu geführt, dass ein Teil des Gartens samt Mauer auf einer Länge von mehr als 10 m in das benachbarte Tee-Feld hinunter gestürzt ist. Menschen kamen bei uns nicht zu Schaden, doch der Wiederaufbau ist mühsam. Jeder Stein musste von Hand nach oben befördert werden. Die neue Mauer wird aus Stahl und Beton gefertigt – alles in Handarbeit. Die Menschen leisten enorme und kräftezehrende Arbeit. Unterwegs sah ich zahlreiche Baustellen dieser Art. Der Bischof erzählte uns, dass in seiner Diözese Ooty viele Menschen durch die Erdrutsche verschüttet oder obdachlos wurden.

 

die Steine werden in Schüsseln transportier

In Puduvadavalli entstehen ein Konventshaus und ein Kindergarten. Auch auf diesen Baustellen wird eifrig gearbeitet. An manchen Tagen sind bis zu 60 Arbeiter und Arbeiterinnen da. Die Frauen auf den Baustellen bringen meistens das Material nach oben. Mörtel, Steine und Sand werden von einer Menschenkette in einer Schüssel weiter gereicht, größere Steine werden einzeln nach oben geworfen. Nur mit einer guten Disziplin kommt das stark vernetzte Arbeiten zum Erfolg. Am Abend wurde das Geld ausbezahlt - es hat lange gedauert; offensichtlich wurde gefeilscht. Ich verstehe die Sprache „Tamil“ nicht. Friedlich zogen sie bei Dunkelheit heim. Irgendwie hat es an die Berichte in der Bibel erinnert, wo es heißt: Am Abend sagte er dann zu seinem Verwalter: 'Ruf die Arbeiter zusammen und zahle ihnen den Lohn aus.… '.

Unsere jungen indischen Schwestern leben in einer guten Verbindung mit den Schwestern in Deutschland. Fünf von ihnen waren schon vorübergehend während ihrer Ordensausbildung hier in Deutschland und interessieren sich für das Wohlergehen der Einzelnen. Das Studium fordert ihren ganzen Einsatz. Gute Prüfungsergebnisse sind der Dank für diesen Einsatz. Die Freude über die Ergebnisse haben wir miteinander geteilt und gefeiert.

In Deutschland teilen viele Menschen mit uns das Anliegen, der Not in Indien zu begegnen. Wir unterstützen gezielt Menschen in Notsituationen und legen Wert auf Nachhaltigkeit und Verantwortungsübernahme. So geben wir beispielsweise für einen Krankenhausaufenthalt oder für die Schule kein Bargeld, sondern bezahlen direkt im Krankenhaus bzw. der Schule gegen Erhalt eines Belegs. Das sichert die richtige Verwendung des gespendeten Geldes. Der Aufwand ist natürlich etwas größer.
Sr. Annuntiata, die seit 3 Jahren in Indien lebt, hat eine elektrische Nähmaschine gekauft. Sie ist ganz glücklich, denn die manuell betriebene Nähmaschine war immer wieder kaputt. Demnächst werden die Novizinnen ihr erstes Ordenskleid nähen. Das ist immer einer der Höhepunkte auf dem Weg zum Ordensleben. 

 

traumhafte Landschaft: Bananenfeld und Kokospalmen, Kindergartenbau und im Hintergrund Berge

Dank Internet konnte ich kurzfristig bei Bedarf Rücksprache in Vierzehnheiligen halten, allerdings in Grenzen. Denn regelmäßig gibt es Stromausfälle, in unregelmäßigen Abständen fällt das Internet aus. Die Gelassenheit der Inder in diesen Situationen fehlt mir.

Insgesamt bin ich wieder reich beschenkt nach Deutschland zurück gekehrt. Die in der Bevölkerung allgemein tief verwurzelte Religiosität in ihrer Vielfalt tut gut. Toleranz und Wertschätzung begegnen mir auf Schritt und Tritt. Eine große Gastfreundschaft, gesellige Stunden in froher Runde und gemeinsame Zeiten des Gebets und der Stille lassen einen Funken der Hoffnung aufleuchten. Ich fühle mich wieder neu aufgerufen, die mir gesetzten Prioritäten zu überprüfen und meinen Alltag im Licht dieser Erfahrungen zu reflektieren.

Ich bin dankbar.

Sr. Regina Pröls
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