Franziskusschwestern eröffnen ein Altenheim in Kroatien

Der kroatische Selige Kardinal Aloisius Stepinac ist Pate dieser Neugründung

 

Vierzehnheiligen / Cugovec: Die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen feiern inmitten einer Zeit, in der viel von Mitgliederschwund in Kirche und Klöstern und von Kirchenaustritten geredet und geschrieben wird, eine Neugründung: die Einweihung eines neuen Schwesternkonventes und eines Altenheims in Kroatien. Es gab allen Grund zu feiern, denn der Werdegang ist nicht unbedingt gradlinig. So reisten Schwestern, Freunde, Helfer und auch Erzbischof Dr. Ludwig Schick nach Kroatien, um bei dieser Feier dabei zu sein. Höhepunkt war die Altarweihe in der neu errichteten Kapelle im Altenheim.


Chronologie
Schw. Annemarie Bogdanovic hat ihre familiären Wurzeln in Kroatien. Sie kam durch den immer wiederkehrenden Anstoß von Sr. Sophie Kestel (+2010) nicht mehr von dem Gedanken los, für Kroatien in die Kongregation der St. Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen gesendet zu sein. Sr. Sophie war von der Lebens- und Leidensgeschichte des kroatischen Kardinals Aloisius Stepinac (+1960) sehr ergriffen. Sie interessierte sich für die Weiterentwicklung des leidgeprüften Landes nachdem das kommunistische System unter Tito zerbrochen war. Gemäß des Charismas der Kongregation: „ Not sehen, angerührt sein - um der Menschen willen – und helfen!“ kristallisierte sich in vielen kleinen, auch unsicheren Schritten das „Projekt Kroatien“ heraus.

Die erste gemeinsame Reise von Generaloberin Sr. Christine Köberlein und Sr. Annemarie führte im April 2003 nach Zagreb, in die Hauptstadt Kroatiens. Bei dieser Reise zeigten die Kirchenverant-wortlichen der Erzdiözese Zagreb das Haus und das Grab des seligen Kard. Stepinac, auch den bekannten Wallfahrtsort Marija Bistrica und Unterkünfte von Kosovo-Flüchtlingen. Nach dieser Reise gab es keinen Zweifel mehr, vor eine neue Aufgabe gestellt zu sein. Doch welche? Getragen von der Einwilligung „auf Probe“ von Erzbischof Dr. Ludwig Schick gab es noch im Sommer 2003 einen ersten Aufbruch. Sr. Annemarie legte ihre bisherige Aufgabe als Stationsschwester im Waldkrankenhaus St. Marien in Erlangen nieder. Zusammen mit Mitschwestern, die abwechselnd für kurze Zeit in Kroatien mitlebten, tastete sie mehrere Aufgabenfelder ab. Erst mit der Übereignung einer Immobilie mit Grundstück an die Kongregation der St. Franziskusschwestern durch die Mutter von Sr. Annemarie konkretisierte sich die Sendung: für alt gewordene, einsame Menschen da zu sein.

Ende 2006 erwarb sich die Kongregation die rechtliche Anerkennung Kroatiens und hatte eine erste bezugsfertige Bleibe für 4 bis 5 Personen. Das Vorhaben, ein Altenheim aus früheren Stallungen und Scheunen zu bauen, dauerte lange. Erschwerend in dem Genehmigungsverfahren war die Tatsache, dass Kroatien durch den bevorstehenden EU-Beitritt rechtliches Neuland betritt. In Abschnitten wurde durch die Kongregation und mit Hilfe vieler tatkräftiger Helfer die bisherigen Gebäude abgetragen und ein Altenheim erbaut, das 40 Bewohner aufnehmen kann. Das Schwesternhaus wurde zuerst fertig gestellt und ist in direkter Nähe. Das Mobiliar in Schwesternhaus und Altenheim stammt zu großen Teilen aus Auflösungen in Deutschland. Es wurde mittels mehrerer Hilfstransporte nach Kroatien gebracht. Für diese Hilfstransporte fanden sich stets bereitwillige, ehrenamtliche Helfer, insbes. auch aus Wachenroth. Renovabis, das Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche unterstützte das Projekt finanziell.

Helfen, auch ohne Institution
Während der langen Bauzeit begegnete Sr. Annemarie immer wieder Menschen, die ihre Hilfe und Unterstützung annahmen: kranke Menschen, bei denen sie zu Hause Wundversorgung machte; arme Menschen, denen sie Kleidung oder Lebensmittel brachte;  und zwei pflegebedürftige Personen konnten bereits im Schwesternhaus mitversorgt werden. Sr. Annemarie begegnete auch vielen Menschen, die sie in diesem Vorhaben bestärkten und die ihr mit Rat und Tat zur Seite standen. Mit Erlangung der Betriebsgenehmigung konnten ab 1. Dezember 2011 die ersten Bewohner in dem Altenheim „Stepinčevdom“ aufgenommen werden. Zum Tag der Einweihung im Februar 2012 waren bereits 14 Bewohner und das dafür erforderliche Personal da.  

Einweihungsfeier
Die Feier der Einweihung war für alle Anwesenden ein erbauliches Fest. Erzbischof Dr. Ludwig Schick zelebrierte mit dem Diözesanbischof Dr. Vjekoslav Huzjak (Bistum Bjelovar-Križevci) und Weihbischof Ivan Šaško (Erzdiözese Zagreb) einen festlichen Gottesdienst. Die Weihe vollzog Bischof Dr. Vjekoslav Huzjak. Eine Reliquie des seligen Kardinal Aloisius Stepinac wurde in den Altar eingebettet. Priester, Ordensleute, Personal, Bewohner, ehrenamtliche Helfer - auch aus Deutschland - und der jugendliche Chor, füllten nicht nur die neu errichtete, hell wirkende Kapelle, sondern auch die Flure im Haus. Das Geschehen in der Kapelle wurde über Bildschirm in die Bewohnerzimmer übertragen.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick, der mit der Entwicklung dieses Projekts von Anfang an vertraut ist, sagte: „Normalerweise sagt man: Aller Anfang ist schwer! – hier sage ich: aller Anfang ist Gnade!“. Und er wünschte der Einrichtung und allen, die in Cugovec leben und arbeiten, eine gesegnete Zukunft.

Generaloberin Schw. Christine Köberlein beschrieb den Werdegang dieser Sendung nach Kroatien. Sie sagte: „Es war ein Ruf, der uns hierher geführt hat. Dies bedeutet, aufmerksam zu sein und hin zu hören: Was will Gott von uns? Oft ist dieser Ruf nicht so klar und deutlich, sondern  rätselhaft und wir wehren uns dagegen. Oder wir werden belächelt oder bekämpft und naiv genannt, wenn wir uns einlassen und folgen. Dazu kommt noch, dass die Verwirklichung ja nicht wie ein Wunder passiert, sondern viel Durchhaltevermögen von uns fordert“. Und sie ergänzte, welche Jesus-Worte sie in dieser Situation geführt haben: „Fürchtet euch nicht!“ und „Ich bin bei euch alle Tage“.

Das Kroatische Fernsehen berichtete ebenfalls von der Einweihung des neuen Altenheims in Cugovec, mit der Folge, dass unzählige Nachfragen nach einem Platz im Altenheim „Stepinčevdom“ ankamen. Der Bedarf ist groß.

Perspektive
Cugovec ist ein Dorf mit ca. 500 Einwohnern und liegt ca. 70 km östlich von der Hauptstadt Zagreb. Es finden sich relativ schnell junge Menschen, die einen Arbeitsplatz annehmen möchten. Auch weiterhin werden Hilfen und Unterstützung aus Deutschland gebraucht, finanzielle, materielle und tatkräftige. Über einen Fond soll es notleidenden Menschen auch möglich sein, ihren letzten Lebensabschnitt bei gesicherter Pflege und in Würde leben zu können. Neben der Fürsorge für pflegebedürftige und alte Menschen möge das geistliche Leben in Gemeinschaft Ausstrahlungskraft haben.

Sr. M. Regina Pröls
eingestellt 2012-02-13 - gp

 

Eingangsschild

Viele Besucher waren gekommen.

Bischof Huzjak setzt die Reliquie ein.

Der Architekt verschließt mit seinem Enkel das Reliquiengrab.

Auf dem gesalbten Altar wird Weihrauch verbrannt.

Der Altar wird inzensiert.

Zwei Männer reinigen die Altarmensa.

Frauen aus dem Dorf bringen die Altardecken.

Erzbischof Schick reicht Sr. Annemarie und Sr. Christine das Licht zum Entzünden der Altarkrerzen.

Bischof Huzjak segnet den Tabernakel.

Der neue Tabernakel.

Unsere Schwestern bei der Eucharistiefeier.

v.l.n.r.: Sr. christine, Bischof Huzjak, Erzbischof Schick, Sr. Annemarie, Weihbischof Sasko.

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