Alles anders ?!?

„Und dann war alles anders!“ Wenn ich so einen Ausspruch höre, dann denke ich an große Ereignisse die geschehen sind, im Leben eines Menschen. Alles war anders. Alles! Für die Jünger damals war es sicher so. Nach der Begegnung mit dem Auferstandenen hat sich ein Weg aufgetan, der alles in einen neuen Rahmen stellte: der Tod ist nicht das Ende. Die Jünger begegneten Jesus tatsächlich! Sichtbar. Berührbar. Da scheint es nur allzu verständlich, dass sich für sie alles änderte. Damals. Aber ist das heute noch so? Und wenn ja, verändert die Begegnung mit Jesus wirklich alles? Ist es nicht so, dass die Welt sich weiter dreht, mein Alltag mal mehr und mal weniger angenehm verläuft und diese Auferstehungserzählungen keine spürbare Wirkung in meinem Leben haben. Ist es nicht so, dass vielleicht damals alles anders wurde und sich dann zu einer Gewohnheit verselbständigt hat?
Vielleicht rückt die Ostererfahrung näher an unsere Lebenswirklichkeit, wenn wir uns dieses Wörtchen „anders“ genauer ansehen. Es gibt (mindestens) zwei Betrachtungsweisen: eine äußere und eine innere. Die äußeren Veränderungen liegen bei den Jüngern damals auf der Hand: Leere Netze füllten sich. Jesus kam durch verschlossene Türen und sprach mit ihnen. Ein leeres Grab. Sichtbare Engel.

Die innere Seite von „anders“ ist etwas, das nicht die Veränderungen der Welt in den Blick nimmt, sondern die Art und Weise, wie wir die Welt betrachten. Auch dafür gibt es Beispiele bei den Ostererzählungen. Am eindrücklichsten ist es wohl bei den Emmausjüngern abzulesen, denen es regelrecht wie „Schuppen von den Augen fällt“, dass Jesus mit ihnen unterwegs war. Solche Erfahrungen kennen wir sicher alle: Da begegnen wir jemandem, der etwas in uns in Bewegung bringt. Im Gespräch mit einer Freundin fällt das entscheidende Wort, das die Richtung ändert. Beim Lesen eines Buches springt uns der rettende Einfall entgegen. Und dann ist alles anders. Wir sehen zwar keine neue Welt. Aber wir sehen die Welt neu. Das geschah bei den Jüngern damals und das geschieht auch heute noch. Jesus begegnet auch uns. Nicht immer erkennen wir ihn (sofort). Aber wenn wir spüren, dass sich neue Wege eröffnen, wo wir vorher keine sahen, wenn uns Zusammenhänge klar werden, dann dürfen auch wir glauben, dass die Auferstehung weiterwirkt – in unser Leben hinein. 

Sr. Franziska Dieterle

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