Beim Gehen predigen

Von Franz von Assisi erzählt man sich folgende Geschichte:


Eines Tages machte er sich zusammen mit einem jungen Mönch auf, um in die Stadt zu gehen und dort zu predigen. Sie gingen durch die Straßen der Stadt und unterhielten sich über sich selbst, über ihre Gemeinschaft, über ihren Glauben. Erst als sie wieder auf dem Weg nach Hause waren, rief der junge Mönch erschrocken aus: „Wir haben vergessen den Leuten zu predigen!“ Franz von Assisi legte lächelnd die Hand auf die Schulter des jungen Mannes. „Mein Sohn“, antwortete er, „wir haben die ganze Zeit nichts anderes getan. Wir wurden von den Menschen gesehen, unsere Gesichter, unser Verhalten. Teile unseres Gespräches wurden mitgehört. So haben wir gepredigt.“ Dann fügte er hinzu: „Merke dir, mein Sohn, es hat keinen Sinn zu gehen, um zu predigen, wenn wir nicht beim Gehen predigen.“

Diese Geschichte ergänzt zutreffend, was ich kürzlich aus der Tagung „Herausforderungen einer missionarischen Pastoral“ mit nach Hause genommen habe.  Wie viele Konzepte werden geschmiedet, wie viele Diskussionen werden geführt wenn es um die Frage geht, Menschen für den Glauben (wieder) zu gewinnen? Wovon ich erfüllt bin, davon möchte ich sprechen. Wovon ich beGEISTert bin möchte ich Anderen Anteil nehmen lassen.  Aber wie?

Von Franziskus von Assisi lernen wir: Gott ist längst schon da – wir müssen IHN nicht erst bringen. Vom Geist Gottes erfüllte Menschen wissen sich – egal wo sie sind – im „Raum Gottes“,  ja noch mehr: in der Zusage: „Ihr seid Tempel Gottes“  (vgl. 1 Kor 3,16).


Wenn wir dieses Bewusstsein in aller Konsequenz leben,  dann zeigt sich das in unserem Tun und Lassen, vor allem in unserem wertschätzenden Umgang miteinander und mit der ganze Schöpfung, ja „auf Schritt und Tritt“.  Die Legende von Franziskus drückt dies sehr konkret aus. Auf der Tagung in Erfurt hörte sich dies so an: „Wo geistliches Leben in kleiner Gemeinschaft gelingt, da brauchen wir nicht viele Worte der Verkündigung“.

Sr. M. Regina Pröls



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