Er-warte ich wirklich?

Die Texte der Bibel die uns zu Beginn des Advents begegnen, fordern uns immer wieder zur Wachsamkeit auf.
Da werden wir aufmerksam gemacht, Gottes Reich zu erkennen, wenn es nahe ist; die Wiederkunft des Menschensohnes nicht zu verpassen; wachsam im Gebet zu verharren…
Mich treibt seit vielen Jahren die Frage um: Wie wird Jesus wiederkommen? Wie werde ich ihn erkennen?
Ja, ich weiß, nun wird es einige geben, die sagen: Jesus ist schon mitten unter uns! Er begegnet Dir in Deinen Mitmenschen, der Eucharistie, der Heiligen Schrift – das Reich Gottes fängt hier, mitten unter uns an. Das stimmt – auch ich bin davon überzeugt, dass mir Jesus täglich begegnet. Doch jeder Mensch hat seinen individuellen Alltag, die Ereignisse und Situationen die es ihm schwer fallen lassen, nicht nur Jesu Gegenwart zu erahnen, sondern tatsächlich auch zu erkennen, daran zu glauben und somit von dieser Gegenwart Zeugnis geben zu können. Ich stelle Menschen oft die Frage: Wie wirst Du Jesus erkennen, wenn er kommt? Darauf bekomme ich meist Antworten wie: „Wie ein König wird er einziehen, mit Pauken und Trompeten. Die Menschen werden ihn sofort erkennen,…“ Leider waren die Antworten nicht konkreter. Gedanken hatten sich die Befragten zuvor nicht darüber gemacht.
Warten wir tatsächlich noch aktiv auf seine Wiederkunft? Oder haben wir uns in der Warteschleife auf Jesus eingerichtet? Ist es womöglich nach über 2000 Jahren klar, dass eine gewisse Abgestumpftheit im Warten auf Jesus eingetreten ist?
Gerade das wollen die durchaus ungewöhnlichen und aufrüttelnden Textstellen die uns zur Wachsamkeit aufrufen, verdeutlichen: Warten um bereit zu sein, vorbereitet, aufmerksam und wach, für den der kommt.

Vielleicht gelingt es Ihnen, sich dieser Frage in den kommenden 4 Wochen ab und an nachzugehen: Warte ich tatsächlich auf Jesu Wiederkunft – oder ist mein Glaubensleben zu einer passiven Warteschleife geworden?


Sr. Johanna Diller


P.S.: Kennen Sie das Gefühl ein sehnlichst erwarteter Besuch hat sich angekündigt und hat sich verspätet? Kennen Sie das Gefühl, dieses Warten fast nicht mehr aus halten zu können?

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