Gottes Wege

Es ist Urlaubszeit und viele Menschen werden Pläne geschmiedet haben, was sie in diesem Sommer tun können. Vielleicht eine Reise, Urlaub im eigenen Garten oder auf dem Balkon – je nach Möglichkeit und Laune. Auch ich mache mich wieder auf den Weg zu anderen Orten, fremden Menschen und neuen Begegnungen. Bereits vor der Abfahrt überlege ich immer, was ich anschauen könnte, welche Möglichkeiten mein Zielort bietet – das allein ist schon fast so schön wie der Urlaub selbst.


Vor einigen Monaten wollte ich eine Freundin in London besuchen. Flug und Unterkunft waren gebucht und wir hatten unsere erste Verabredung schon für kurz nach der Landung. Dazu kam es nicht, denn statt einem kurzen Zwischenstopp in Zürich, saß ich dort für viele Stunden fest, weil über London dicker Nebel lag. Die Warterei schien endlos und es war ziemlicher Stress, die Umbuchung für den Weiterflug zu erledigen. Ich war sauer, so gestrandet zu sein und die mir so wichtige gemeinsame Zeit in London zu verlieren. Den langen Aufenthalt wollte ich nicht im Flughafen verbringen und fuhr in die Innenstadt von Zürich – das funktionierte mit der Bahn ganz vorzüglich. Immer noch frustriert ließ ich mich durch die Stadt treiben und suchte schon fast Zuflucht in der ersten Kirche auf meinem Weg. Ich wollte mit Gott reden und mich sammeln für die nächste Reiseetappe.


Mein Weg führte mich direkt ins Frauenmünster – und dort machte ich eine der schönsten Entdeckungen meiner ganzen Reise. Im Züricher Frauenmünster gibt es Chagall-Fenster! Ich saß dort in der Bank und konnte kaum fassen, was ich sah. Diese Farben! Diese Bilder! Diese Stimmung! Dieses Licht! Diese Botschaft! Fünf Fenster in verschiedenen Farben – zwei Seitenfenster und in der Mitte das Lob Gottes in Blau, Grün und Gelb.
„Das große grüne Mittelfenster zeigt Christus, den Gekreuzigten, den Auferstandenen und Lebendigen, den zum Himmel Gefahrenen, in der Glorie Herrschenden. Sein Weg vom Kind der Maria zum geopferten Gotteslamm, in kleinen Szenen aus Jesus Leben und Predigt angedeutet, endet nicht am Kreuzesstamm. Vielmehr meint man in der Tiefe des jenseitigen Lichts jenen „Punkt Omega“ zu erkennen, dem er entgegenschwebt, um alle Welt ins Licht zu ziehen.“ (Kunstführer Vogelsanger-de Roche)


Ich habe Gott gedankt, für diese Begegnung mit ihm. Einige werden vielleicht sagen „Zufall“ – ich sage „Gottesgeschenk“ – ich war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort - mit Gottes Hilfe. Es wurde mir geschenkt, denn nach Zürich hätte ich wohl die nächsten Jahre nicht erkundet. Freilich musste ich mich selbst erst einmal auf den Weg begeben – zu und mit Gott.
Diese Begegnung mit Chagalls Gotteslob in seinen Fenstern hat mich für diesen Sommerurlaub inspiriert, die Kirche St. Stefan in Mainz zu besuchen, die vollständig mit Chagall-Fenstern ausgestaltet ist. Ich bin neugierig darauf und auf das, was ich sonst noch erkennen und erleben darf.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und mir eine erholsame und begegnungsreiche Urlaubszeit – egal wo wir in diesen Wochen sind – Hauptsache mit Gott.

Uta Fielitz  - Weggemeinschaft

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