Manchmal genügt eine Blume

Passiert es Ihnen auch manchmal, dass Sie mitten im Getriebe des Alltags auf etwas stoßen, dass Sie einen Moment innehalten lässt? Da schiebt sich plötzlich eine Erinnerung in das Gedächtnis, die ganz lebendig wird.
Es war ein Gedicht von W. Poeplau, das mir auf der Suche nach etwas Passendem für eine Geburts-tagsfeier in die Hand fiel:

„Manchmal genügt ein kleines Licht
und ich sehe die Sonne zur Mitternacht.
Manchmal genügt ein Wort
und Mauern weichen zurück.
Manchmal genügt ein Schweigen
und ich höre die Stimme meines Herzens
deutlich, wie die eines Bruders, einer
Schwester.
Manchmal genügt eine Blume
und ich begreife den Himmel.
Manchmal genügt ein Augenblick
und ich weiß,
daß ich für die Liebe geschaffen bin.“

Meine Gedanken weilten einen Moment bei folgender Begebenheit:
Ich lag nach einer Operation im Krankenhaus und der Heilungsprozess wollte einfach nicht vorwärts gehen. Irgendwie war ich kraft- und saftlos – nicht nur körperlich - auch die Seele lag am Boden.
Da ging plötzlich die Türe des Krankenzimmers auf und  jemand kam mit einem größeren Pa-ket herein – für mich. Im ersten Moment war ich geneigt zu sagen, ich will jetzt gar nichts ha-ben – nur meine Ruhe -  nehmen Sie das Ding da bitte, wieder mit. Doch das Paket wurde auf den Tisch gestellt und mich interessierte weder der Absender noch der Inhalt.
Eine Krankenschwester beäugte verwundert das Paket und nahm einfach die Hülle ab. Was kam da zum Vorschein: ein wunderschöner Blumenstrauß – mit meinen Lieblingsblumen.
Es war, als ob die Sonne aufging – mitten in der Nacht. Diese Freude schenkte mir wieder ein Stück Lebenswillen zurück.
Eine banale Geschichte, wie es scheint – oder doch nicht? Für mich war es ein kleines Wunder -  ich spürte:  ich bin nicht allein - ich bin geliebt…..
Ich glaube, ein jeder von uns, könnte von einer ähnlichen  Erfahrung erzählen….

Die Zeugen der Auferstehung Jesu und überhaupt die Evangelien, lassen uns an vielen solcher Ereignisse teilhaben: der Blick und das Wort Jesu lässt die Jünger alles zurücklasen und IHM folgen; die tiefe Traurigkeit über den Tod Jesu wandelt sich nach der Begegnung mit dem Auferstandenen in  Jubel; Angst und Bangigkeit der Jünger wandelt sich nach der Geis-tessendung in Begeisterung und Tapferkeit.

Ja, es ist so:
Manchmal genügt die Begegnung mit einem lieben Menschen und ich weiß, ich bin nicht al-lein.
Manchmal genügt ein warmer Händedruck ohne Worte und ich fühl mich verstanden.
Manchmal genügt ein wunderschöner Sonnenuntergang und ich werde an den Glanz der Ewigkeit erinnert.
Mit dankbarem Herzen bewahre ich diese Momente und wünsche auch Ihnen ab an einen Lichtstrahl der Freude, der Liebe.

Sr. Silvia Liebl

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