Mariä Heimsuchung - Begegnung

Es ist eines der stillen Marienfeste. Vielleicht mag ich es deshalb so gern.

Maria hat etwas Ungeheures erfahren. Da bricht Gott in ihr Leben ein und sie kann noch gar nicht erfassen, was das heißt. Gleichzeitig hört sie, dass ihre viel ältere Cousine im sechsten Monat schwanger ist. Da tut sie das Nächstliegende: sie bricht auf und geht „über die Berge“ in eine kleine Stadt in Judäa – eine Strecke von fast 150 km - um Elisabeth nahe zu sein.

Ich kann mir vorstellen, dass Maria viele Fragen, Zweifel und Sorgen quälten – und niemand war da, mit dem sie sprechen konnte. Ich kann mir vorstellen, dass Maria diesen langen Weg gebraucht hat, um zur inneren Ruhe zu finden - und um sich dem Geheimnis zu nähern, das in ihr wächst.

Und dann darf Maria erleben, dass Elisabeth sie tiefer versteht, als sie geahnt hat: Elisabeth, auch eine von Gott berührte Frau, erkennt, dass „die Mutter ihres Herrn“ zu ihr kommt. In diesem Moment fallen alle Fragen und Zweifel in sich zusammen wie ein Kartenhaus - und Maria singt laut ihr Jubellied.

Zwei Frauen an der Schwelle vom ersten zum zweiten Testament,
zwei Frauen, die offen sind und zulassen, dass etwas Unfassbares geschieht,
zwei Frauen, die sich Zeit nehmen füreinander und ihr Glück teilen –
das hat die Welt verändert.

Sr. Martina Selmaier

 

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