"Quo vadis - wohin gehst Du?"

Christus erscheint vor den Toren Roms seinem Apostel Petrus, der vor der Verfolgung aus Rom flüchtet. Petrus erkennt ihn und stellt ihm die Frage „Quo vadis? – Wohin gehst Du?“. Unter diesem Thema steht auch der Weltgebetstag für geistliche Berufe an diesem Sonntag. Zwar muss man angesichts der momentanen Situation diese Frage berechtigt an unsere Kirche stellen, doch letztendlich ist diese Frage euch eine Anfrage an jeden einzelnen von uns. Und in diesem Sinne soll sie auch für den Weltgebetstag verstanden werden. Es ist die Frage nach unserer eigenen Berufung. Wohin gehe ich? Wohin gehe ich in meinem Leben? In meinem Glauben? Wohin gehe ich mit meinen mir geschenkten Talenten und Fähigkeiten?
Der Kirchenlehrer Petrus Chrysologus umschreibt die Frage so: „Du Mensch, warum giltst du dir so wenig, da du doch für Gott so kostbar bist? Gott ehrt dich so hoch. Warum entehrst du dich so sehr? Warum suchst du nach dem, woraus du geschaffen bist, und nicht nach dem, wofür du gemacht wurdest?“

Wofür ich gemacht wurde – eine Frage, der es sich lohnt nachzugehen. Der Antwort komme ich auf die Spur, wenn ich auf meine Talente und Fähigkeiten schaue. Was hat Gott mir geschenkt? Was hat er mir mitgegeben? Ich bin ein Abbild Gottes. Nicht einfach nur eine Kopie, sondern ein Original – extra angefertigt und mit viel Liebe geformt. Tief drin in uns steckt unser wahres Sein. Wir dürfen jeden Tag ein Stück mehr in unsere Tiefe kommen und zu der und dem werden, wie Gott uns geschaffen hat. Das ist unsere Berufung.
Leider konzentrieren wir uns eher auf andere, äußere Dinge. Wir vergessen das Abbild Gottes in uns, denn es ist nicht einfach im Spiegel zu entdecken.
Und auch in den Menschen um uns herum gilt es dieses Abbild zu entdecken.

Es ist schmerzlich immer wieder erfahren zu müssen, dass Menschen weder in sich selbst dieses Abbild Gottes entdecken noch in anderen. Und noch schmerzlicher ist es, wenn Menschen, die aufgrund ihrer Berufung und eines Gelübdes diesen liebevollen Blick haben sollten, genau das Gegenteil leben und in ihren Taten das Abbild Gottes in anderen Menschen, insbesondere in Kindern verletzen. Ganz zu schweigen von dem unvorstellbaren Schmerz den die Opfer ertrugen und ertragen.

Wenn wundert’s, dass viele Christen enttäuscht sind, zweifeln und wütend sind?
Trotzdem und gerade deswegen wollen wir beten um neue geistliche Berufungen. Wir beten, dass sich Menschen auch heute noch entscheiden als Ordenschrist oder als Priester zu leben. Wir brauchen in unserer Kirche Menschen, die die Liebe Gottes auf diese Weise bezeugen. Die den liebevollen Blick Jesu auf die Menschen in unsere Zeit bringen.
Wir beten aber auch für die unzähligen Priester und Ordensleute, die sehr wohl in ihrer Seelsorge gewissenhaft und liebevoll sind. Sie brauchen unser Gebet, damit sie nicht untergehen in dieser Zeit, in der Medienmacher die gesamte Kirche mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Pranger stellen.

„Quo vadis? – Wohin gehst Du?“ dieser Frage sollten wir uns täglich neu stellen.

Sr. Katharina Horn
Login