Brannte nicht unser Herz?

Raus aus Jerusalem – nur raus.
Das Entsetzen am Freitag - Jesus tot, der Traum zu Ende.
Nichts mehr geschlafen, den ganzen Samstag in Angst zugebracht.
Und heute Früh die Aufregung mit den Frauen:
der Stein vor dem Grab ist weg, Jesu Leichnam fehlt.
Ich weiß, was jetzt passiert:
das werden die uns in die Schuhe schieben…
sie werden sagen, wir haben Jesus gestohlen…
brandgefährlich ist das.
Kleophas geht mit mir.
In Emmaus sind wir vorerst sicher.

Wir reden und reden.
Angst, Enttäuschung und Schmerz brechen sich Bahn.
Ein Unbekannter kommt und geht mit.
Seltsam, er weiß von nichts. Wir erklären und reden und erklären…
seltsam, er weiß auf einmal sehr viel – viel mehr als wir!
Er kennt die Schrift, er sieht Zusammenhänge…

in meinem Herzen glimmt Hoffnung, brennen Fragen,
brennt die Sehnsucht… brennt ein leises Ahnen…
kann es sein, daß…?

Dann spricht er den Lobpreis und bricht das Brot –
und uns fällt es wie Schuppen von den Augen.
ER IST ES! ER LEBT!
Im selben Moment sehen wir ihn nicht mehr.
Doch unser inneres Auge sieht – klar und weit.

DU – ganz nahe,
wenn wir fliehen vor dem Unbegreiflichen.
DU – Begleiter in Angst, Mutlosigkeit und Verzweiflung,
Du bei uns, Du wanderst mit uns durch die Zeit.
Wenn wir zusammenrücken am Abend voll Furcht vor der Nacht,
dann sprich zu uns, bis unsre Herzen brennen.
Teile das Brot mit uns und öffne unsere Augen.

Sr. Martina Selmaier



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