Die Frau am Jakobsbrunnen

In der Mittagshitze triffst du sie.
Du bist müde vom Wandern,
und ruhst dich am Brunnen aus.

„Gib mir Wasser“ bittest Du -
und siehst sie an - und weißt:
der Durst der Frau ist größer,
älter, ungestillt seit langem.

Du hörst ihre Fragen –
du ahnst ihre Leere,
du spürst ihre Sehnsucht.
Du bleibst bei ihr sitzen,
hältst sie aus,
führst sie tiefer.
Du führst sie zu ihrem Durst,
zu ihrer Sehnsucht -
zu ihrer Quelle.

Du,
ich mute mich dir zu.
Ich werfe all meine Fragen auf Dich,
all mein Suchen, all mein Sehnen.

Du bleibst neben mir sitzen.
Du hältst mich aus.
Du führst mich tiefer…
und leise, ganz leise
ahne und spüre und vertraue ich:

Du bist das Wasser,
das mein tiefstes Sehnen stillt.

 

Sr. Martina Selmaier
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