Momentnsammler

Es gibt von Werner Schmidbauer, dem bayerischen Liedermacher und Moderator einen ganz wunderbaren Song mit dem Titel „Momentnsammler“.
Schmidbauer beschreibt darin sehr treffend, was Leute so alles aus Leidenschaft sammeln und sagt dann von sich, dass er Momente sammle.

Er erzählt, wie er Situationen einfängt, diese erlebt, mit ihnen lebt und ehe er sich versieht, sind sie auch schon wieder vorbei.
Das Lied geht sofort ins Ohr und lädt ein, sich ein paar mehr Gedanken zum Thema zu machen.

Das Leben als eine Ansammlung von Momenten: Schönen und Hässlichen, Ergreifenden und Langweiligen, Besonderen und Banalen,- eine einfache und doch ehrliche Vorstellung von dem Begriff „Dasein“.
Meine Existenz ist ein Puzzle aus unendlich vielen Momenten-Teilchen in allen Größen, Farben und Formen.
Mir gefällt die Vorstellung, dass sich das Bild dieser Puzzles nicht ganz zufällig zusammenfügt.
Es gibt einen Spieler, der viel besser als ich es je wissen könnte, mein Lebensbild schon erdacht hat und meinen Bauplan sozusagen im Kopf hat.
Wenn ich Momente meines Lebens bewusst genieße und erfahre, so lege zwar ich das Puzzleteil an die richtige Stelle, er hat mir aber den Rahmen schon vorgegeben.
Wenn ich  wachsam und offen bleibe, dann kann ich beim Legen meines Puzzles wahre Glücksmomente erleben. Diese „Highlights“ helfen mir über die schweren Stunden zähen Suchens hinweg, wenn sich wieder einmal ein Teil als sehr sperrig erweist und sich nirgends einfügen will.
Die Momentaufnahmen meines Daseins scheinen manchmal wie zufällig aneinandergereiht, planlos, ohne Bezug zueinander.
Viele Dinge kann ich im Augenblick des Geschehens nicht verstehen, Zusammenhänge erschließen sich mir nicht.
Blicke ich jedoch mit längerem Zeitabstand auf eine Episode meines Lebens zurück, dann lassen sich sehr wohl gewisse Muster und Strukturen erkennen.
Da ich schon lange nicht mehr an „Zufälle“ glaube, bin ich mir sicher, dass Gott auch im scheinbar „Unlösbaren“ und „Unbegreiflichen“ einen universellen Bauplan hat.
Auch wenn ich als Handwerker hin und wieder Momente der Unaufmerksamkeit und des Unvermögens habe und die Steine meines Lebenshauses nicht immer gerade aufeinandersetze, so achtet er doch darauf, dass mein Bauwerk nicht aus den Fugen gerät oder gar einstürzen kann. Er gibt meinem Leben Form und Gestalt.
So kann ich also weitersuchen und sammeln und frohen Mutes den Refrain des Liedes von Werner Schmidbauer mitsingen:

Nix is so schee wia der Moment,
wo ois so  is wias ghert und as Leben kriagst einfach gschenkt.
Und des allerbeste is dabei:
Wennsd den Moment gfundn host, is er vorbei!

 

Beate Völker
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