„Paulus“ neu entdeckt

„Wenn Papst Benedikt XVI. das Paulusjahr nicht ausgerufen hätte – ich hätte mich nie so intensiv mit Paulus befasst“.  Vielleicht teilen Sie mit mir diese Feststellung, vielleicht teilen Sie mit mir auch die Überraschungen, die ich in der Auseinandersetzung mit dieser Persönlichkeit gemacht habe. Mit großer Neugier habe ich in den Medien verfolgt, dass zahlreiche informative und spirituelle Angebote im Paulusjahr 2008-2009 statt fanden. Ich selber habe mich bei Berufe der Kirche, Bamberg auch engagiert, insbes. auf der Grundlage des eigens für das Paulusjahr geschaffenen Bildes von Helmut Voss entstanden zahlreiche Hilfen.

Ich lade Sie ein, dieses Bild zu betrachten: 

Der Künstler hat sein Bild mit leuchtenden Farben gestaltet. Gelb, orange und rot bestimmen den Hintergrund des Bildes. Farben, die für Freude, Begeisterung, Wärme, Licht und Liebe und den Glauben an Gott stehen können. Ein Labyrinth ist zu erkennen. Der Weg führt nicht gerade und auf dem kürzesten Weg zum Ziel. Es sind Umwege zu gehen. Doch, wer den Weg geduldig und beharrlich bis zum Ende geht, wird in der Mitte ankommen, sein Ziel finden.
Eine weitere Farbe sticht ins Auge: ein kräftiges Blau. Ein Gesicht ist zu erkennen. Die Konturen eines Mannes heben sich vom hellen Hintergrund ab. Die eine Gesichtshälfte ist nur angedeutet, sie bleibt heller. Die andere Hälfte gibt dem Mann ein deutliches Gesicht, sie ist aber dunkler. Verdecken wir mit der Hand diese dunklere Hälfte, bleibt das Gesicht des Mannes undeutlich und unklar. Beide Seiten gehören zu ihm, die helle und die dunkle. Damit ich mir ein Bild von ihm machen kann, braucht es beide Seiten. So entsteht vor uns ein Mann mit Vollbart. Er blickt uns an – ernst, freundlich, durchdringend, in sich ruhend. Ein wenig erinnern die Konturen seines Gesichtes an die Umrisse der Kontinente auf einer Weltkarte.
Schließlich fällt die Frage auf, die in blauer Farbe oben links zu lesen ist: „Sag, was zählt?“
„Sag, was zählt?“ können wir den Mann auf dem Bild fragen. „Sag, was zählt?“ könnte er aber auch uns fragen.
Der Mann, der uns diese Frage stellt, ist Paulus.
Paulus ist uns als Wegbegleiter auf unserem Glaubensweg ganz wichtig. Nicht nur, weil er uns in seinen Briefen Glaubenswissen vermittelt. Der Blick auf seine geerdete Biografie tut uns gut. Wir wissen um seine „Ecken und Kanten“, dass er sich abgemüht hat und zu seiner Vergangenheit steht. Ja, die dunkle Seite gibt dem Gesicht die Form. Mit seiner Bekehrung hat sich die andere Seite aufgetan, die ganz offen ist für das Lichtvolle, Kraftvolle, Unendliche, offen für Jesus, der sich als Gott und Mensch offenbarte. Aber nicht übersinnlich und abgehoben, sondern wieder erdverbunden, eingebunden in den staubigen Lebensweg, der auch im weiteren Verlauf voll von Kurven und Aussichtslosigkeit, von dem Gefühl des Rückwärtsgehens und manchmal von einem trüben Blick gekennzeichnet ist. Und gleichzeitig ist diese Seite Ausdruck einer Mystik. Paulus ist nahezu 30 Jahre unterwegs. Vom göttlichen Licht getroffen hat er nichts anderes mehr im Sinn, als allen Menschen diesen Erlöser zu verkünden.
Seine eigene Umkehr macht ihn glaubwürdig. In den dunklen Stunden steht die Frage ganz groß vor ihm und auch vor uns: „Sag, was zählt?“ Und jede und jeder von uns wird diese Frage ganz persönlich beantworten.

Schw. M. Regina Pröls

 

 

Paulus - Lied (Melodie: Wohl denen, die da wandeln …, GL 614)

1. Paulus, Apostel Christi, zum Freund von ihm erwählt,
dein Beispiel zeigt uns deutlich, dass nur die Liebe zählt,
erkennen wollen wir den Herrn, sein Wesen soll uns prägen,
auf unsrem Glaubensweg!
2. Paulus, Apostel Christi, hast dich zu ihm bekehrt,
das Evangelium Gottes in aller Welt gelehrt,
hilf uns in unsrer Lebenszeit auf Christus stets zu schauen,
zu folgen seinem Ruf!
3. Paulus, Apostel Christi, hast dich zu ihm bekannt,
das Feuer seines Geistes hat dich zutiefst entbrannt,
lass durch uns leuchten Gottes Licht für möglichst viele Menschen
im Dunkel unsrer Zeit!
4. Paulus, Apostel Christi, warst ganz von ihm erfüllt,
das Zeugnis deiner Predigt hat Lebensdurst gestillt,
dass Christus uns stets Ansporn sei und Richtschnur unsres Handelns,
darin steh du uns bei!
5. Paulus, Apostel Christi, sein Lieb` hat dich gedrängt,
im Leid, im Kreuz, in Qualen hast du dich ihm geschenkt,
in Ängsten, Sorgen und in Not stärk` du uns im Vertrauen,
für Christus einzustehn!
6. Paulus, Apostel Christi, hast Kirche aufgebaut,
die Schar des Gottesvolkes sei dir stets anvertraut,
hilf uns als Glieder eines Leibs in Treue mitzuwirken,
in Christus eins zu sein.
7. Paulus, Apostel Christi, geh mit uns durch die Zeit,
zeig uns den Weg der Hoffnung zur ewgen Herrlichkeit,
dass seine Kraft uns stärkt und trägt durch alle Lebenstage,
bis wir vollendet sind.
(Text: Paul Weismantel)

 

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