ver-rückt wie Gott

„Am Jüngsten Tag werden wir gefragt werden, ob wir ver-rückt waren wie Gott, der sich wehrlos in unsere Hände gegeben hat, der gescheitert ist und ein Versager war und der uns dadurch erlöst hat.“

Dieses Zitat stammt von Ruth Pfau, einer bedeutenden Frauengestalt unserer Zeit, die Unvorstellbares in ihrem Leben vollbracht hat. Sie hat als Ärztin und Ordensfrau  jahrzehntelang Pionierarbeit geleistet bei der Leprabekämpfung in Pakistan. Gegen alle Widerstände hat sie es in den 60iger Jahren geschafft, ein Krankenhaus zu errichten, in denen Leprakranke behandelt wurden und Ärzte und Lepra-Assistenten eine spezielle Ausbildung erhielten. Später baute sie mit Hilfe der pakistanischen Regierung flächendeckend Leprastationen auf, um Patienten vor Ort helfen zu können. Ihr unermüdlicher Einsatz währt bis heute.

Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf Ostern bietet uns die Gelegenheit, nachzudenken über unser Leben, über unsere Beziehung zu Gott, verbunden mit der Frage: Lebe ich so, wie Gott mich gedacht hat? Ist es an der Zeit, meinem Leben eine neue Richtung zu geben, die mich Ihm näher bringt und damit auch mir selber? Es geht dabei nicht immer um ganz große Entscheidungen, sondern oft nur um kleine Schritte, die man tut. Gottes Reich beginnt ganz klein. Mit einem Senfkorn hat es Jesus verglichen, das schließlich größer wird als alle anderen Gewächse.  
Ruth Pfau hat sich anrühren lassen von der Liebe Gottes. Seine Menschwer-dung, seine heilende Zuwendung in Wort und Tat, die Verkündigung der frohen Botschaft, sein Leiden und Sterben hat ihr ganzes Leben geprägt. Den Karriereweg nach unten, den Gott aus unendlicher Liebe zu uns Menschen gegangen ist, beschreibt Ruth Pfau als „ver-rückt“. Es bleibt für uns ein Geheimnis, aber ich kann mir keinen sympathischeren Gott vorstellen. Die menschlichen Maßstäbe, bei denen es in der Regel um Größe, Macht und Gewinn geht, werden „zurechtgerückt“, d.h. in die richtige, göttliche Ordnung „ge-rückt“.  Die Liebe steht an 1.Stelle, die sich nicht mit Gewalt aufdrängt, sondern sich als ohnmächtig erweist. Ruth Pfau hat in ihrem Leben bei all ihrem Engagement immer wieder Widerstand und Ohnmacht erfahren, aber sie hat sich nicht entmutigen lassen. Wundern wir uns nicht, wenn andere über uns den Kopf schütteln, wenn wir die Nachfolge ernst nehmen. Taten der Liebe halten manche für verrückt, die nur an ihren eigenen Vorteil und Gewinn denken. Selbstlose Liebe aber macht frei.  Lassen wir uns von Gottes Liebe so anrühren wir Ruth Pfau. Vertrauen wir uns Ihm an, der es nur gut mit uns meint. Dann können auch wir in unserem Alltag Seine Liebe durchscheinen lassen und die Welt ein Stück verändern, wie es Jesus getan hat.


Sr. Verena Haase
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