Geschichte unseres Hauses in Bad Feilnbach

Es war mitten im Krieg -  im Dez. 1940 - als die St. Franziskusschwestern nach Jenbach kamen. Ihr Weg hierher führte sie von München-Perlach, ihrem Ursprungsort, an dem die Gemeinschaft 1890 gegründet wurde. Während des III. Reiches zwang man die Schwestern, ihr Haus in Perlach an die Stadt München zu verkaufen, wegen „Neugestaltung“ der Stadt. Die damalige Generaloberin Schw. M. Cäcilia Parusel machte sich auf, um eine neue Bleibe für die kranken und alten Schwestern zu suchen und erwarb in Jenbach ein Landhaus im Wert  von 60.000,-- RM von den Eheleuten Ludwig und Barbara Keller. In vielen Ratenzahlungen musste dieser Betrag beglichen werden, denn die Kongregation verfügte nicht über soviel Geld. 18 Schwestern mit ihrer Oberin Schw. M. Mechthild Musch wohnten nun ab Dez. 1940  in der Wendelsteinstraße im sog. „ St. Josefshaus“ . Es war die erste Ordensgemeinschaft, die in Jenbach Fuß faßte und die von den Leuten sehr freundlich aufgenommen wurde. Nachdem außer dem Wohngebäude auch ein Stall vorhanden war, pachteten die Schwestern Felder und Wiesen und betrieben eine kleine Landwirtschaft; dies war auch Dank der Hilfsbereitschaft der benachbarten Bauern möglich, die ihnen bei der schweren Arbeit beistanden. Die kleine Landwirtschaft war die Lebensgrundlage der Schwestern. Doch wie kärglich das Leben hier war, berichteten Zeitzeugen, die sich z. T. noch erinnern  konnten.

Von Anfang an waren die Schwestern hier in der ambulanten Krankenpflege tätig - insgesamt vier Jahrzehnte. Bis ins hohe Alter versahen manche Schwestern den liebgewonnenen Dienst bei den Kranken.  
1956 übernahmen die Schwestern auch den Mesnerdienst in der Pfarrei - 29 Jahre lang. Eine kleine Wohnung an der Kirche war vorübergehend Herberge für die Mesnerin, auch die Kindergärtnerin wohnte anfangs hier. Denn ab 1966 leitete je eine Schwester den Kindergarten - 17 Jahre lang.
Treu an der Seite der Schwestern  stand  auch der jeweilige Hausgeistliche. Unter ihnen 30 Jahre lang  P. Alois Richthammer OFM  und jetzt ist es Pfr.Gröner, der hier den priesterlichen Dienst erfüllt. Aber auch die Seelsorger des Ortes kümmern sich um den Schwesternkonvent.

Das St. Josefshaus hat nicht nur personell eine bewegte Geschichte hinter sich. Da die alte Bausubstanz immer reparaturbedürftiger und der Wohnraum immer enger wurde, entschloss man sich 1967 zu einem Neubau. Wiederum waren  die Schwestern auf die Hilfe der Umgebung angewiesen. In zuvorkommender Weise stellte die Familie Kirner ihr neu erbautes Wohnhaus den Schwestern während der Bauphase zur Verfügung. Nach einem guten Jahr Bauzeit unter Architekt Wegmann, konnten die Schwestern wieder zurück und am 19. Januar 1969 fand die feierliche Einweihung durch Prälat Jandl statt. In dem nunmehr gut eingerichteten und geräumigen Haus mit Garten fühlten sich die Schwestern von Anfang an wohl.
 
Im St. Josefshaus wurden von Anfang an die älteren und hilfsbedürtigen Schwestern aufgenommen und gepflegt.  Im Neubau wurde auch Platz geschaffen, um Schwestern und Gäste die Erholung suchten, aufzunehmen.
Im Jahre 2001 wurde eine Generalsanierung des ganzen Hauses geplant und  in den Jahren 2002/2003 in drei Bauabschnitten durchgeführt.  Es konnten die Zimmer vergrößert und mit Nasszellen versehen werden. Einige behindertengerechte Zimmer wurden für die Pflege eingerichtet und alle Brandschutzmaßnahmen erfüllt.

Über 100 Franziskusschwestern sind es im Lauf der über 70jährigen Geschichte, denen das St. Josefshaus zur Heimat wurde - manchen vorübergehend,  aber vielen auch für die Zeit des Alters und des Reifens - bis sich das Leben vollendet. Gerade sie sind es, die unermüdlich ihre Hände falten, um in den großen Anliegen und Sorgen für Kirche und Welt zu beten.  

Sr. Silvia Liebl
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