Unsere Geschichte

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Exkurs zur Geschichte der katholischen Kirche in Kroatien

Schon im 9. Jahrhundert gehörten die Kroaten zur großen europäischen Christengemeinschaft. Kirchen und Klöster aus dieser Zeit zeugen davon, dass das Christentum im kroatischen Volk bereits tiefe Wurzeln geschlagen hatte.
Zur Zeit des kroatischen Königreiches (10. bis Anfang 12. Jahrhundert) beeinflussten vor allem die Benediktiner das kirchliche, kulturelle und staatliche Leben. Im weiteren geschichtlichen Verlauf erfuhr der kroatische Katholizismus eine besondere Prägung durch die Bettelorden – speziell die Franziskaner und die Dominikaner – und später auch durch die Jesuiten.

Nach 1918 gehörte Kroatien zu Österreich-Ungarn.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts organisierten sich kroatische Schüler, Studenten und Intellektuelle; sie schufen eine Bewegung, die der Gesellschaft die katholischen Prinzipien und Werte nahe bringen wollte.

Im ersten jugoslawischen Staat wurde die Situation für die Katholiken ungünstig: Nichtserbische Einwohner wurden diskriminiert. Das führte während des 2. Weltkrieges zu einer blutigen Abrechnung, die auf allen Seiten hohe Opfer forderte – auch eine größere Zahl katholischer Priester.
Das jugoslawische, kommunistische Nachkriegsregime griff vor allem die Katholische Kirche an, der durch die Nationalisierung inzwischen die materielle Grundlage ihres Wirkens entzogen worden war.
Die Mitglieder der kirchlichen Hierarchie, mit dem Zagreber Erzbischof Alojzije Stepinac an der Spitze, wurden offen verfolgt: Bischöfe, Ordensleute und Gläubige erlebten Unannehmlichkeiten und Bedrängnisse. Der Religionsunterricht wurde aus den Schulen entfernt, Laienorganisationen wurden aufgelöst. Der Glaube eines jeden Menschen wurde als Privatangelegenheit deklariert und in Folge davon eine systematische Atheisierung eingeleitet.
Die Kirche wurde in Kroatien – unter diesem Druck des bolschewistischen Atheismus – Zeugin des Kampfes für die Freiheit des Volkes und für die Religionsfreiheit.

Während des großserbischen Angriffes auf Kroatien (1991–1995) war erneut auch die Katholische Kirche schwerer Verfolgung ausgesetzt. In gezielten Aktionen wurden Mitglieder der Kirche aus ihrer Heimat vertrieben, Priester und Ordensleute getötet und in serbische Gefangenschaft genommen, kirchliche Objekte wurden beschädigt oder vernichtet.
Die riesigen materiellen Schäden, die Kroatien in diesem nie erklärten Krieg erlitten hat, zielten darauf ab, alles zu vernichten, was die kulturelle und geistige Identität des kroatischen Volkes ausmacht. Bedeutende geschichtliche Orte und Zeugnisse – Museen, Archive und Bibliotheken – wurden entweder vollkommen zerstört oder schwer beschädigt. Fast jede kroatische Stadt wurde angegriffen ernsthaft beschädigt, die uralte Stadt Vukovar bis auf die Grundmauern zerstört.
Zu Beginn des Angriffes auf Kroatien waren Kirchen, Friedhöfe, Krankenhäuser und Schulen die häufigsten Ziele der Vernichtung. In den Gebieten, die der Gegner besetzt hielt, wurden Kirchen, Kapellen, Friedhöfe und Feldkreuze systematisch zerstört. Nach den amtlichen Angaben der kroatischen Regierung verloren während der vierjährigen Aggression gegen Kroatien 12846 Bürger Kroatiens ihr Leben, 32679 wurden verwundet.

Erst in der Republik Kroatien erhält die Kirche ihre Freiheit zurück. Ihre Rechtsposition ist definiert; sie wirkt auf ihrem Gebiet autonom. Belastet durch die schwere Erfahrung aus der kommunistischen Zeit, denkt die Kirche in Kroatien jetzt über ihre Zukunft nach. Sie organisiert sich neu, bereitet eine Bischofssynode und neue pastorale Programme vor und widmet den sozialen Fragen größere Aufmerksamkeit.
Die Kirche trägt immer noch an den Folgen der unrechten kriegerischen Aggression dieser vier Jahre.
Die kroatische Regierung unternimmt große Anstrengungen beim Wiederaufbau des zerstörten Landes –  Vorrang hat dabei der Bau von Familienhäusern für die Bürger, die Opfer des Krieges. Notwendig ist auch die Erneuerung der sakralen Objekte, wofür die staatlichen Mittel nicht mehr ausreichen. Die kroatische Bischofskonferenz erwartet deshalb von Leuten guten Willens in Europa Hilfe für diese Wiederaufbauarbeit.

 

(nach einem Bericht in einem Heft der Erzdiözese Zagreb, herausgegeben anlässlich des Papstbesuches von 2.-4. Oktober 1998: Johannes Paul II. in Kroatien)