Hier schmeckt die Heimat

In Gößweinstein wuchs schnell eine harmonische Gemeinschaft
Schwester Sigrid Kerschensteiner freut sich: „Heimat ist hier nicht nur ein leeres Schlagwort, sondern bei uns kann jeder wirklich Heimat spüren!“ Während sie das sagt, wird ihr Gesicht von einem strahlenden Lächeln durchzogen. Sofort glaubt man ihr, dass das „Heimat“-Haus in der Viktor-von-Scheffel-Straße 38 in Gößweinstein sein Versprechen hält.
Nach einem Konzept von Caritas und Joseph-Stiftung sollen hier Menschen „in der Heimat wohnen - ein Leben lang! Sicher und selbstbestimmt“. Schwester Sigrid ist selbst eine Bewohnerin des „Heimat“-Hauses, als ehrenamtliche Helferin leistet sie aber auch einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg des „Heimat“-Modells in Gößweinstein. „Früher diente das idyllisch gelegene Haus als Erholungsheim der St. Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen und 13 Jahre lang als Bildungs- und Exerzitienhaus“, erinnert sich Schwester Sigrid, „aber es musste einfach eine neue Nutzung gefunden werden, da wir Franziskusschwestern immer weniger und immer älter werden.“ Bereits Anfang 2010 konnten die ersten 13 senioren- und behindertenfreundlich gestalteten Wohnungen bezogen werden. Nun steht auch der Umbau eines zweiten Gebäudeflügels mit sechs zusätzlichen Wohnungen kurz vor der Fertigstellung. Spätestens am 1. April sollen die neuen Mieter einziehen können.
Kurz zusammengefasst beruht das „Heimat“-Modell auf drei Säulen: „Zu Hause leben. Jederzeit versorgt. Gute Nachbarschaft.“ Damit ist gemeint, dass in den barrierearmen Wohnungen Menschen auch mit Pflegebedarf eigenverantwortlich leben können; die Bewohner unterstützen sich gegenseitig und ein Caritas-Stützpunkt leistet gegebenenfalls professionelle Hilfe vor Ort (Siehe unten).

Die Mehrheit der Bewohner des „Heimat“-Hauses in Gößweinstein gehört einer bereits älteren Generation an. Und obwohl sich die meisten Bewohner erst seit einem Jahr kennen, ist durch viele gemeinsame Aktionen schon sehr viel Nähe entstanden. Angebote, gemeinsam etwas zu unternehmen, gibt es zuhauf: Im Sommer wird der riesige Garten für Grillfeiern und spirituelle Oasentreffen genutzt. Gemeinsame Sing- und Bastelstunden stehen ebenso auf dem Programm. Auch an die Gesundheit der Bewohner wird gedacht; Hannelore Friedl, eine weitere ehrenamtliche Helferin, veranstaltet beispielsweise jede Woche Bewegungsübungen und Gedächtnistraining mit allen Interessierten. Sie betont: „In erster Linie geht es darum, den älteren Menschen Freude an der Bewegung zu vermitteln. Die Arbeit macht viel Spaß, da man schnell Fortschritte sehen kann.“
Ein weiterer wichtiger Faktor für das Zusammenwachsen der Hausgemeinschaft ist der vom Caritas-Stützpunkt organisierte offene Mittagstisch. „Es ist wichtig, dass die Bewohner ab und zu an einem Tisch sitzen und gemeinsam essen“, sagt Schwester Sigrid mit viel Überzeugung in ihrer Stimme, „damit man die Heimat schmecken kann!“ Der Mittagstisch dient dabei nicht nur dem Sattwerden, sondern vielmehr dem gegenseitigen Austausch und dem Kennenlernen der Mieter und der Gäste aus dem Ort.
Trotz der vielen Harmonie: Ein einziges Paradies ist das „Heimat“-Haus nicht. Manchmal kann es zwar zu kleinen Spannungen kommen, aber die Streitpunkte werden schnell offen angesprochen und somit gleich aus der Welt geschafft.
In Zukunft könnte sich aus dem „Heimat“-Haus ein echtes Mehrgenerationenhaus entwickeln. „Bei uns ist jeder willkommen – egal ob jung oder alt“, verspricht Carmen Vogler, Mitarbeiterin im Caritas-Stützpunkt. „Vor kurzem ist eine alleinerziehende Mutter mit ihrer siebenjährigen Tochter eingezogen. Das Mädchen bringt seither jede Menge Leben ins Haus.“  

Sylwester Przybyla (Joseph-Stiftung)

 

 

Welche Aufgaben übernimmt der Caritas-Stützpunkt?


Der Caritas-Stützpunkt dient als Koordinationsstelle. Die Mitarbeiterinnen planen und organisieren das Programm und knüpfen Kontakte nach „außen“.

Folgendes wird geboten:

  • einmal wöchentlich eine Pflegeberatung;
  • alle zwei Monate eine Mieterversammlung;
  • drei Mal die Woche offener Mittagstisch;
  • seit März 2011 monatlich ein betreuter Nachmittag für Seniorinnen und Senioren aus dem Umkreis von Gößweinstein; für die Teilnehmenden sind beispielsweise Singen und Gedächtnisübungen eine willkommene Abwechslung, für die pflegenden Angehörigen hingegen eine Entlastung.
  • Singkreis, Vorträge zu verschiedenen Themen, gemeinsame Feiern;
  • Aktivitäten mit der örtlichen Schule und dem katholischen Kindergarten.
 
eingestellt 2011-04-03 sr.katharina