Wie werde ich Schwester?
Erste Kontaktaufnahme
In Deutschland besteht die Möglichkeit mit der zuständigen Schwester im Mutterhaus Kloster auf Zeit zu vereinbaren.
Wenn der Entschluss dann soweit gereift ist, bewirbt sich die junge Frau bei der Generaloberin und wird ins Präpostulat aufgenommen.
Präpostulat
Die Dauer des Präpostulats richtet sich nach der Situation der jungen Frau. Sie kann so oft es ihr möglich ist, ins Mutterhaus kommen und die Gemeinschaft immer mehr kennenlernen. In dieser Zeit lebt und arbeitet die Frau noch in ihrer bisherigen Umgebung.
Postulat
Mit dem Postulat beginnt die eigentliche Ordensausbildung. Dazu gibt die Frau ihren Beruf (vorübergehend) und ihre Wohnung auf und zieht im Mutterhaus ein. In dem folgenden halben Jahr lebt und arbeitet sie in der Schwesterngemeinschaft mit und kann nachspüren, ob sie den Weg so weiter gehen will.
Schließlich kann sie um Aufnahme ins Noviziat bitten.
Noviziatsaufnahme
Die Postulantin bittet um Aufnahme in die Gemeinschaft.
Zum äußeren Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der St. Franziskusschwestern erhält die Schwester das Ordenskleid und einen weißen Schleier.
Mit der Aufnahme ins Noviziat wählt sich die Schwester einen Namen. Dies kann auch der Taufname sein. Namen sind wie Sakramente. Sie weisen auf etwas anderes hin, auf eine Geschichte, eine Wirklichkeit, einen Charakter, und lassen gleichzeitig dieses andere gegenwärtig sein.
Im Buch Genesis heißt es: „Der Herr erschien Abram und sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige. Geh deinen Weg vor mir und sei rechtschaffen! Ich schließe meinen Bund zwischen mir und dir. Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham wirst du heißen.“
Unter diesem neuen Namen ging Abraham seinen Weg vor dem Herrn.
Auch Maria ging voll Vertrauen vor dem Herrn ihren Weg. So wurde sie zum Vorbild für uns alle.
Deshalb bekommen wir Schwestern einen neuen Namen und tragen zusätzlich den Namen Maria. Unter diesem neuen Namen geht die Novizin künftig auch vor dem Herrn ihren Weg.
Noviziat
Damit beginnt das zweijährige Noviziat. Im ersten Jahr, das im Mutterhaus verbracht wird, erhalten die Novizinnen Unterricht in Ordensgeschichte, Regel und Konstitutionen der Gemeinschaft, Theologie, Gelübde, Spiritualität, Kirchengeschichte, Liturgie … Außerdem absolvieren sie verschiedene Praktika in unterschiedlichen Bereichen im Haus, wie Küche, Garten, Krankenpflege, Verwaltung, Archiv, Pforte…
Im zweiten Jahr folgen dreimonatige Praktika in unterschiedlichen Einrichtungen und Konventen unserer Gemeinschaft im jeweiligen Land.
Innerhalb der beiden Jahre nehmen die Schwestern auch an der Noviziatsschule der Ordensgemeinschaften teil.
Am Ende der zwei Jahre entscheidet sich die Schwester bewusst, ob sie in dieser Gemeinschaft ihre Profess ablegen möchte.
Profess
„Profess“ bedeutet, ein öffentliches Bekenntnis ablegen.
Die erste Profess wird für die Dauer eines Jahres abgelegt. Nach dem Johannesevangelium, in dem es heißt: „Ich habe euch erwählt und euch bestimmt“ (Joh 15,16), werden die Novizinnen zu Beginn des Gottesdienstes mit ihrem Namen aufgerufen.
Die Schwestern äußern, was sie von Gott und seiner Kirche erbitten und erklären ihre Bereitschaft, nach den evangelischen Räten, den franziskanischen Regeln und den Konstitutionen der Kongregation für ein Jahr zu leben. Diese Räte aus dem Evangelium sind Gehorsam, ehelose Keuschheit und Armut.
Dann legen die Schwestern ihre erste Hl. Profess vor dem Altar Gottes ab. Dazu sprechen sie die Formel der Profess.
Als Zeichen unserer franziskanischen Tradition legen sie die Profess in die Hände der Generaloberin ab. Franziskus selbst hat großen Wert auf Zeichen und Berührung gelegt. Es ist dies eine Bekräftigung des Vertrauens in diese Gemeinschaft, welche die Generaloberin vertritt.
Mit ihrer Unterschrift bekräftigen sie ihr Versprechen. Der geweihte Ort des Altares bestärkt diese Unterschrift. Diese erste Profess wird nach einem Jahr für drei Jahre erneuert. Die Schwestern gehören von jetzt an als Professschwestern der Gemeinschaft an.
Das äußere Zeichen dafür ist der schwarze Schleier.
Juniorat
Die folgenden vier Jahre nennen wir Juniorat. Die Juniorinnen arbeiten in ihren jeweiligen Berufen oder machen noch eine Aus- bzw. Weiterbildung. Parallel dazu bietet die Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft jedes Jahr eine einwöchige Fortbildung für Schwestern und Brüder im Juniorat an.
Am Ende der vier Jahre entscheiden sich die Schwestern erneut bewusst, ob sie in unserer Gemeinschaft für die Zeit ihres Lebens leben wollen.
Ewige Profess
Mit der Feier der Ewigen Profess bekunden sie diesen Schritt öffentlich.
Nachdem die Schwestern wieder einzeln mit Namen aufgerufen wurden und darum gebeten haben, die Profess auf Lebenszeit ablegen zu dürfen, werden sie noch einmal befragt.
Mit dem Heilig-Geist-Hymnus bittet die Gemeinde nun um den Heiligen Geist für die Schwestern. Er möge sie in ihrer Berufung stärken. Mit der Allerheiligen-Litanei bittet die Gemeinde um den Beistand der Heiligen durch ihre Fürsprache und ihr Vorbild. Die Heiligen in dieser Litanei stehen stellvertretend für alle Christen vor und nach uns. So verbindet diese Ewige Profess die Schwestern nicht nur mit der Weltkirche heute, sondern mit der Kirche durch alle Zeit.
Die Schwestern liegen während der Litanei auf dem Boden als Zeichen der völligen Hingabe an Gott. Auch Franziskus wählte oft diese Gebetshaltung für sich als Zeichen der Demut und Hingabe.
Dann legen die Schwestern einzeln vor dem Altar Gottes ihre Ewige Profess ab. Dazu sprechen sie die Formel der Profess. Wie bei der ersten Profess legen sie diese in die Hände der Generaloberin ab. Mit ihrer Unterschrift bekräftigen sie ihr Versprechen.









