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Reise in das Flutgebiet von Kerala

Kerala, “Gods own country”, wurde im August 2018 von einer verheerenden Flut heimgesucht. Viele Menschen verloren ihr Leben. Die offiziellen Medien sprachen von über 500 Todesopfern, doch schon alleine im Distrikt, den unsere Mitschwestern besuchten, sprachen die Menschen von über 700 Personen, die in den Fluten oder bei Erdrutschen in den Tod gerissen wurden. Viele Menschen werden noch vermisst. Von 14 Distrikten Keralas waren 13 mehr oder weniger betroffen. Ein besonders starker, lang anhaltender Monsunregen war die Ursache dieser Katastrophe. Die Stauseen füllten sich gefährlich. Insgesamt gibt es in Kerala an den Stauseen über 80 Dämme für die Stromgewinnung. Jetzt öffnete die Regierung viele der Dämme um einem Dammbruch zuvorzukommen. So kamen zum überdimensional starken Regen zusätzlich Unmengen an Wassermassen aus den Stauseen.
Drei Schwestern und die Kandidatin Sona-Maria reisten in ein Gebiet, das am härtesten heimgesucht wurde. Die Straßen dort sind durch Erdrutsche stark beschädigt.
Sr. Theresa schreibt: „Ganze Berghänge sind in die Tiefe gerauscht, manchmal war die Straße halb mit abgerutscht. Das machte betroffen und sprachlos! Mr. Biju Joseph (Sona’s Vater) hatte mit Pfarrer Thomas Anikuzhikathil in der ca 25 km entfernt liegenden Pfarrei Churuly einen Termin vereinbart. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg. Nun war es heller Tag und wir konnten die Umgebung sehen - es war so unglaublich. Berge haben sich versetzt! Viele Häuser sind mit abgerutscht. Einen Bergrutsch haben wir gesehen, unter dem ein zweistöckiges Haus begraben liegt - nicht ein einziger Stein ragte heraus!“
Im Laufe der Reise besuchten die Schwestern zwölf Familien, die es besonders hart getroffen hat. Sie machten sich ein Bild von deren jeweiligen Situation und besprachen mit den Betroffenen das weitere Vorgehen. Das Geld sollte ausschließlich für das Notwendigste in diesen Familien verwendet werden. Mr. Biju Joseph (Sona’s Vater), dessen Bruder Mr. Benny Joseph und Pfarrer Thomas Anikuzhikathil kümmern sich vor Ort weiterhin um diese Familien und schicken den Schwestern Papiere, Nachweise und Fotos. Die drei Herren erhalten einen Scheck für jede Familie, der erst dann eingelöst wird, wenn die Arbeit am Laufen oder das Grundstück gefunden ist. Jede Familie weiß, dass es von guten Menschen aus Deutschland kommt.
Sr. Theresa berichtet weiter: „Kleine tägliche Gebrauchsartikel wie Seife, Zahnpaste, Zahnbürsten, Waschpulver, Süßigkeiten, Schulbedarf für die Kinder, einige Spielsachen und Bügeleisen hatten wir vorab eingekauft und mitgebracht. Wir verteilten dies in jeder Familie. Auch Tribalskinder, die auf der Straße spielten, konnten wir damit glücklich machen.“
Sr. Theresa beendet ihren Bericht: „Dankbar, übervoll mit schönen und zugleich furchtbaren Eindrücke kehrten wir zurück. Wir durften wunderbare Menschen treffen und sind tief betroffen von deren traurigen Schicksalen. Diese Menschen stehen vor dem Nichts und sind doch zugleich so dankbar, dass Gott ihr Schicksal so gelenkt hat, dass weder sie noch einer ihrer Lieben ums Leben gekommen ist.
Wir danken allen, die uns geholfen haben, diese Mission so gut wie möglich zu erfüllen. Vor allem danken wir unserem Gott. Wir spüren, ER hat uns gut gelenkt. Uns trägt auch das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt für unsere Reise war. Wir konnten - bis auf eine – alle Familien besuchen und die Lage vor Ort erkunden. Reich beschenkt an Erfahrungen kehrten wir heim.
Danke - Vergelt’s Gott!“                

Sr. Theresa Gunselmann / srk

Ein paar Fotos von einigen Familien:

Zur ersten Familie mussten wir über eine kaputte Brücke und dann bergauf klettern, um zum Haus zu kommen.

Die Fassade sah nicht so schlimm aus, doch auf der Rückseite war das Haus vollkommen offen.

Zweite Familie : Ein kleines Haus, nur ein Zimmer und ein kleiner Anbau mit Küche.

Die hintere Wand fehlte zum Teil, die Löcher waren mit Planen abgedeckt.

Dritte Familie: Vom Haus war gar nichts mehr zu sehen. Wir sahen nur den Erdrutsch, der alles unter sich begraben hatte.

Siebte Familie: Eine Familie mit zwei Schulkindern und einer Großmutter.

Das Haus lag an einem abgerutschten Steilhang und – wie wiederholt erlebt - waren Haus und Grundstück verloren.

Achte Familie: Auch das Haus dieser Familie war von hinten her “aufgeschlitzt” und unbewohnbar.

Im Haus lebt noch eine Schwester des Vaters, die mithilft. Sie arbeitet als Auto-Riksha-Fahrerin.

Neunte Familie: Ein Holzfäller mit seiner Frau und zwei Schulkindern. Sein Haus ist unbewohnbar.

Zehnte Familie: Ihr Haus steht noch - doch das Fundament, auf dem es steht, ist zum Teil in einen sehr tiefen Abhang abgerutscht.

Elfte Familie: Eine Witwe mit ihrem Sohn. Das Haus ist unbewohnbar, weil das Fundament größtenteils abgerutscht ist.

Zwölfte Familie: Eine Frau mit zwei Kindern. Auch dieses Haus ist mit einem Erdrutsch nahezu komplett abgerutscht.

 

Sr. Theresa berichtet über die unterstützten Familien:

Erste Familie

Es war niemand da. Wir mussten über eine kaputte Brücke und dann bergauf klettern, um zum Haus zu kommen. Die Fenster lagen separat, das Glas war nicht gebrochen. Die Fassade sah nicht so schlimm aus, doch auf der Rückseite war das Haus vollkommen offen. Ein großer Baum hatte es “aufgeschlitzt” - Löcher, Risse und Dreck lagen in den Räumen. Der Pfarrer erklärte uns, dass die Familie von der Regierung keine Hilfe für ein neues Häuschen bekomme, denn sie müsse einen Baugrund vorweisen - doch der war komplett abgerutscht!

Zweite Familie

Der Vater war daheim: Ein kleines Haus, nur ein Zimmer und ein kleiner Anbau mit Küche. Die hintere Wand fehlte zum Teil, die Löcher waren mit Planen abgedeckt. Hinter dem Haus ging es nach ca. zwei Metern einen Hang hinunter, der abgerutscht war. Der Mann sagte, er müsse zuerst eine Mauer bauen um das Haus zu sichern. Er selbst kann wenig mit anpacken, weil eine Hand durch einen Unfall völlig verkrüppelt ist. Die Familie hat zwei Kinder, die in die Schule gehen. Sie bekommen keine Hilfe, denn das Haus ist nicht zerstört!

Dritte Familie

Diese lebt weit oben in den Bergen. Vom Haus war gar nichts mehr zu sehen. Wir sahen nur den Erdrutsch, der alles unter sich begraben hatte. Der Mann kam und erklärte uns, dass er anderen Leuten helfe, ihre Häuser zu reparieren. Er war sehr scheu. Auch diese Familie hat zwei Kinder. Die Familie war von einer älteren Dame aufgenommen worden - dort können sie vorläufig bleiben. Wir besuchten sie.

Vierte Familie

Wir kamen zu einem Haus, das völlig intakt aussah! Doch dann kam die große Überraschung: Der Erdrutsch mit den großen Bäumen hatte das Haus von der Rückseite her erfasst und komplett zerstört - nur die Fassade stand. Der Priester erzählte uns, dass der Vater viele Jahre für dieses Haus jeden Cent gespart hatte, den er als Hotelarbeiter verdient hatte. Nur drei Jahre hat er mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern drin leben dürfen! Das Haus lag auf einem Steilhang - es wird keine Genehmigung geben, dort wieder bauen zu dürfen. Welch ein Verlust für diesen Mann!

Fünfte Familie:

Ein junges Ehepaar mit einem Kleinkind. Die Frau hatte ausgeprägte Narben an Brust, Rücken und Hals. Im Gesicht war erkennbar, dass sie schon mehrmals operiert worden war.  Ihr Haus lag weit oben – wir mussten klettern. Es bestand aus kaputten blauen und gelben Plastikplanen. Der Mann ist Tagelöhner und die Frau kann nicht arbeiten, obwohl sie einen Bachelor hat. Die Verbrennungen waren durch eine umgefallene Kerosinlampe entstanden – es gibt ja keinen Strom! Die Frau muss alle vier Wochen in das 300 km entfernte Coimbatore zur Behandlung. Das kostet jedes Mal 5000 Rupies. Die Operationen dürften wesentlich teurer gewesen sein. So wird das Geld der Familie durch den Unfall der Frau sukzessive aufgebraucht.
Die Hütte lag direkt im Steilhang, so dass auch hier nicht mit einer Genehmigung zu rechnen ist. Diese Familie braucht erst ein Grundstück. Mit Hilfe der Dorfsprecherin haben wir das sofort in die Wege geleitet. Wir haben ein “Ja” von einem älteren Mann bekommen. Dankbar gingen wir weiter. Am nächsten Tag wollten wir wieder kommen. Bis dahin musste die Familie mehrere Papiere beschaffen.

Sechste Familie

Wir trafen ein Ehepaar im Alter zwischen 65 und 70 Jahren. Sie besitzen drei Kühe. Das Haus war eine aus Planen zusammengestückelte, halb zerfallene Hütte. Darin war Chaos. Um die Hütte herum standen viele Gefäße, um das Regenwasser zu sammeln. Der Weg, um Wasser zu holen wäre sonst sehr weit.  Die Frau ist herzkrank, der Mann hatte vor Jahren einen Unfall überlebt, bei dem eine Kuh die Hörner in seinen Leib gestoßen hatte. Das Ehepaar scheint zufrieden zu sein, sie hatten strahlende Gesichter. Ihre zwei Kinder kommen nicht zu Besuch - da ist keine Hilfe zu erwarten.
Der richtige Weg wäre, sie in ein Altenheim zu bringen, wo beide gut versorgt würden. Doch das wollen sie nicht. Sie hatten schon früher mal einen Überredungsversuch durch Mr. Bijy Joseph abgelehnt. So brauchen sie jetzt buchstäblich ein Dach über dem Kopf. Die Regierung hilft ihnen nicht, weil es Kinder gibt, die helfen könnten.

Siebte Familie:

Eine Familie mit zwei Schulkindern und einer Großmutter. Das Haus lag an einem abgerutschten Steilhang und – wie wiederholt erlebt - waren Haus und Grundstück verloren. Der Vater dieser Familie ist durch einen früheren Unfall fast erwerbsunfähig. Er hatte sich damals drei Wirbel gebrochen.

Achte Familie

Auch das Haus dieser Familie war von hinten her “aufgeschlitzt” und unbewohnbar. Darin leben eine Großmutter mit fünf Enkelkindern im Alter von 7-14 Jahren. Der Vater dieser Kinder hatte Suizid begangen, die Mutter hatte die Familie verlassen. Im Haus lebt noch eine Schwester des Vaters, die mithilft, die Kinder zu erziehen. Sie arbeitet als Autoriksha-Fahrerin. Derzeit lebt diese Familie in einer Bücherei.

Neunte Familie:

Ein Holzfäller mit seiner Frau und zwei Schulkindern - sein Haus ist unbewohnbar.

Zehnte Familie:

Ihr Haus steht noch - doch das Fundament, auf dem es steht, ist zum Teil in einen sehr tiefen Abhang abgerutscht. Ob das Haus noch stabil ist muss geprüft werden. Die Familie hat zwei Kinder, die Großmutter lebt mit der Familie.

Elfte Familie:

Es ist eine Witwe mit ihrem Sohn – das Haus ist unbewohnbar, weil das Fundament größtenteils abgerutscht ist.

Zwölfte Familie:

Eine Frau stellte sich vor – sie spreche für die Witwe, die sich aufgrund einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte schlecht artikulieren kann. Sie brachte Fotos vom Haus ihrer Familie mit. Auch dieses Haus ist mit einem Erdrutsch nahezu komplett abgerutscht. Sie hat zwei Kinder.


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Vergelt's Gott!

 

 

 

2018-11-02 eingestellt: srk
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